Dolmetscherin Nóra Uhri: Man merkt den Gesprächsteilnehmer*innen die Zufriedenheit an

Der 23.Oktober ist Nationalfeiertag in Ungarn. Ein guter Grund, um mehr über die Ungarisch-Dolmetscherin Nóra Uhri sowie die ungarische Sprache und Kultur zu erfahren.

Da ich in Deutschland aufgewachsen bin und wir zu Hause Ungarisch gesprochen haben, wurde mir das Dolmetschen ein bisschen in die Wiege gelegt.“, sagt Nóra Uhri. Sie hat Konferenzdolmetschen mit den Sprachen Englisch, Französisch und Ungarisch in Wien studiert und arbeitet seit über fünf Jahren freiberuflich mit SAVD zusammen.

Bei der Tätigkeit als Video- und Telefondolmetscherin gefällt ihr vor allem die Effizienz, mit der schwierige Kommunikationssituationen bewältigt werden können: „Durch Video- und Telefondolmetschen können nicht deutschsprachige Menschen in dringenden Fällen Antworten auf oft lebenswichtige Fragen bekommen. Trotz räumlicher Distanz arbeiten wir sehr nah am Menschen und man merkt den Gesprächsteilnehmer*innen oft die Zufriedenheit an, nachdem sie ihr Anliegen in der Muttersprache vorbringen konnten.“

Themenfelder breit gestreut

An einem durchschnittlichen Vormittag hat Nóra mit verschiedenen Menschen zu tun, die sich in allen Winkeln der deutschsprachigen Welt – in oftmals schwierigen Lebenssituationen – befinden. „Die Themenfelder sind breit gestreut. Neben medizinischen Gesprächen oder arbeitsrechtlichen Beratungen gibt es auch Einsätze in der Psychotherapie oder bei der Kinder- und Jugendhilfe.“

Dolmetscher*innen müssen jedoch nicht nur herausfordernde Gesprächssituationen meistern. Sie müssen auch in der Lage sein, Unterschiede zwischen Sprachen und Kulturen zu erkennen und verständlich zu übertragen. Einer der eingehendsten Besonderheiten beim Sprachenpaar Ungarisch/Deutsch ist laut Nóra die Ansprache selbst: „Im Deutschen verwendet man Nachnamen: Frau Müller spricht etwa mit Herrn Szabo. Im Ungarischen ist diese Form der Anrede äußerst unüblich.“ Man nenne entweder den ganzen Namen oder nur den Vornamen. Trotzdem werde durchgehend gesiezt und das Verhältnis zwischen den Gesprächsparteien dadurch nicht persönlicher. „Eine Gratwanderung, denn als Dolmetscher*innen müssen wir eine neutrale Position beibehalten.“

Lebendige ungarische Kulturszene

Wer mehr über die ungarische Sprache und Kultur erfahren möchte, habe insbesondere in Wien die Möglichkeit, zahlreiche Veranstaltungen zu besuchen. Hier sei die ungarische Kulturszene aufgrund der Nähe zum Nachbarland sehr lebendig. Neben dem oscarnominierten Film „Testről és lélekről“ (dt. „Körper und Seele“) legt uns Nóra den Film „Van valami furcsa és megmagyarázhatatlan“ (dt. „Aus unerfindlichen Gründen“) ans Herz. „Es geht um einen dreißigjährigen Mann, der auf der Suche nach sich selbst ist. Dabei erfährt man viel über das heutige Ungarn. Es wird zudem offensichtlich, wie viele Gemeinsamkeiten es zwischen jungen urbanen ungarischen Menschen und jungen Menschen in westlichen Ländern gibt“.

Sehr bereichernd sei außerdem die Seite „Daily Magyar“, die auch auf allen Social-Media-Kanälen vertreten ist. Dort sind zahlreiche ungarische Redewendungen und sprachliche Kuriositäten zu finden. So entdeckte Nóra, dass es immer wieder ungarische Redewendungen gibt, die es ins österreichische Deutsch geschafft haben oder umgekehrt. „Die österreichische Redewendung ‚Du kommst schon in mei Gassn‘‘, sprich ‚irgendwann werd‘ ich‘s dir heimzahlen‘ kannte ich bisher nur aus dem Ungarischen.“